Die Oberlausitz - Schatztruhe im Dreiländereck

Das Lausitzer Bergland bildet eine Übergangsregion zwischen den Mittelgebirgen Elbsandsteingebirge und Lausitzer Gebirge südlich von Bautzen. Der deutsche Teil wird als Oberlausitzer Bergland bezeichnet. Diese Bezeichnung bezieht sich auf dessen Zugehörigkeit zum politischen Gebilde des Markgraftums Oberlausitz, welches bis 1635 zu einem Land der Böhmischen Krone gehörte.

Die Bewohner des deutschen Teils nennen ihre Heimat auch heute gern "Oberland". Von Bautzen nach Süden blickend ist diese Bezeichnung nachvollziehbar.

Die tschechische Übersetzung von Lausitzer Bergland heißt Lužická hornatina. Allerdings ist der Begriff unter den Tschechen wenig verbreitet, da das Gebiet politisch immer zu Böhmen gehörte. Der in Tschechien liegende Teil des Berglandes heißt Šluknovská pahorkatina /Schluckenauer Hügelland und leitet sich damit von der Stadt Šluknov/Schluckenau im Zentrum der Region ab.

Heute bezeichnen die Einheimischen in Tschechien ihre Region als Schluckenauer Zipfel. Allerdings bezieht sich dieser Begriff eher auf die markante Grenzlinie statt auf den Naturraum.

Bis zur Vertreibung der deutschen Bevölkerung in Böhmen war die Bezeichnung „Böhmisches Niederland“ sehr verbreitet. Und auch diese Bezeichnung orientierte sich wiederum an geographischen Gegebenheiten. Vom Lausitzer Gebirge in Böhmen nach Norden geblickt, wirkte der böhmische Landzipfel ganz sicher als Niederland.

Bis heute ist es nicht gelungen das in einem gemeinsamen Naturraum liegende Bergland einheitlich zu bezeichnen. Beide Staaten werben auch heute noch getrennt für ihren Teil des Berglandes. Eine gemeinsame Identität fehlt.

Vielleicht sollte man analog zum Lausitzer Gebirge auch vom Lausitzer Bergland sprechen. Nicht weil man die politische Zugehörigkeit des deutschen Teils zur Oberlausitz und des tschechischen Teils zu Böhmen leugnen, sondern weil man den grenzübergreifenden Charakter dieses Berglandes hervorheben will. Und weil in Tschechien wegen historischen Gemeinsamkeiten (Zugehörigkeit der beiden Lausitzen bis 1635 zur Krone Böhmens) der Begriff Lausitz in zahlreichen Begriffen auch heute noch Verwendung findet und sich Einheimische beiderseits der „Grenze“ damit identifizieren können.

Für den interessierten Wanderer bleibt festzuhalten, dass Natur glücklicherweise vor Staatsgrenzen keinen Halt macht.

Helene Jahn-Langen beschreibt in ihrer Arbeit "Das Böhmische Niederland - Bevökerungs- und Sozialstruktur einer Industriedorflandschaft" das Böhmische Niederland wie folgt:

"Den Namen "Böhmisches Niederland" trägt jener kleine Landzipfel, der zwischen Elbe und Görlitzer Neiße über den böhmischen Gebirgsrahmen hinaus nach Norden ragt. Diese seit vielen Jahrhunderten zum politischen Bereich Böhmens gehörige Landschaft liegt also außerhalb des geographischen Raumes Böhmen. Sie stellt einen Teil des Südlausitzer Berglandes dar [..] Es ist richtig, daß der Ausdruck "Niederland", für ein so ausgesprochenes Bergland, wie es diese Südlausitzer Landschaft darstellt, geographisch falsch ist. Andererseits ist die Entstehung und die Volkstümlichkeit des Namens sehr erklärlich, wenn man bedenkt, daß das Gebiet zu Böhmen gehörte. Für den Böhmen innerhalb der Randgebirge war dieser Teil nördlich des Lausitzer Gebirges ein Niederland - ein deutlicher geographischer Eindruck für jeden, der, von Süden aus dem "Oberland" kommend, auf der Höhe des Gebirgszuges den Steilabfall nach Norden vor sich sieht".

 

Bildquelle: Das Böhmische Niederland - Bevökerungs- und Sozialstruktur einer Industriedorflandschaft, Helene Jahn-Langen, München 1960

Links zur Region Lausitzer Bergland

1. Touristische Gebietsgemeinschaft Oberlausiter Bergland - www.oberlausitzer-bergland.de

2. Das Lausitzer Bergland im Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Lausitzer_Bergland

3. Informationen aus dem Ort Kopec (Hemmehübel) zum Böhmischen Niederland - www.hemm.cz

4. Bund der Niederländer e.V. - www.bdnev.de

5. Die Region Sluknovsko (tschechisch) - www.sluknovsko.cz

6. Aktuelles aus dem Schluckenauer Zipfel/Šluknovský výběžek - www.vybezek.eu

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok Ablehnen